40 Jahre Vereinsgeschichte

Rückblick auf 40 Jahre Vereinsgeschichte seit der Wiedergründung

Vereinsabend am Samstag, 3. September 2016 im Schützenhaus

von

Wilfried Lenuweit

Sehr geehrte Damen und Herren,
verehrte Gäste,
liebe Schützenschwestern und Schützenbrüder,

als Vereins-Archivar habe ich die ehrenvolle Aufgabe übernommen, Ihnen über die letzten 40 Jahre Vereinsgeschehen zu berichten.  Ich möchte Sie einladen auf eine Reise in die Vergangenheit, -  mit den Worten des großen Gelehrten Wilhelm von Humboldt:

NUR WER DIE VERGANGENHEIT KENNT, HAT EINE ZUKUNFT"!

 

Begeben wir uns also zum Startpunkt unserer Reise:  In das Jahr 1976:

In Montreal und Innsbruck fanden die Olympischen Spiele statt. Rosi Mittermaier wurde mit 2 Gold- und 1 Silbermedaille zur Skikönigin und zur Gold-Rosi, Annegret Richter lief über 100 Meter in 11,01 sec. Weltrekord und holte Gold.

In China stirbt der Gründer der Volksrepublik China, der "grosse Vorsitzende"  Mao Tse Tung. Bei Erdbeben kommen dort über 600.000 Menschen ums Leben.

Portugal und Spanien  wandeln sich nach Jahrzehnten der Diktatur zur Demokratie.

In Deutschland, - der Hamburger ist auf dem Vormarsch - warnen die Gesundheitsbehörden:  Wir essen zu viel Fett!

Die Ölkrise wirkt sich immer noch gefährdend auf die deutsche Wirtschaft aus.

Im „ Jahrhundertsommer“  mit dem heißesten Juni seit Menschengedenken platzen die Betondecken auf den Autobahnen, erleidet die Landwirtschaft Milliardenschäden durch Dürre, gibt es überall Waldbrände und im Ruhrgebiet fahren winterliche Streudienste, um den aufgematschten Asphalt mit Sand griffig zu halten.

Die Tschechoslowakei (CSSR) spielt bei der Fußball – EM im Endspiel gegen Deutschland. Im Elfmeterschießen vergeigt Uli Hoeneß mit seinem Schuss  "in den Belgrader Himmel " Sieg und Titel.

In Adelsheim ist es im März `76 ungemütlich kalt. Sonnenstunden und die Durchschnittstemperatur von 1,3 Grad Celsius liegen um ein Drittel unter dem üblichen Durchschnitt.

Am 13. März, - einem Samstag, ist es kalt und windig – und dunkel,  als sich gegen 20.00 Uhr interessierte Bürger im Gasthaus zum Adler der Familie Unden einfinden.

* Lange, lange Jahre schlief das Sportschützenwesen in Adelsheim. Während andernorts bereits in den 50er Jahren die alten Schützenvereine wiedergegründet wurden, während fleißige Hände neue Schießanlagen entstehen ließen, während  landauf, landab Schützenfeste gefeiert, Wettkämpfe bestritten und Gemeinschaft praktiziert wurden, - in unserem Städtchen Adelsheim blieb alles still, kein Schuss knallte, um aktives Schützentum zu verkünden.

Doch nun fanden sich wieder Männer, die bereit waren,  Ideen, Einsatz und Zeit in die Schützensache zu investieren. Besonders zwei Männern, Martin Herold und Roland Gräf ist es zu verdanken, dass an diesem 13. März 1976 der älteste und traditionsreichste Verein  unserer Stadt wiedergegründet wurde.                                                                                      

Als Gründungsmitglieder trugen sich noch am selben Abend 34 Personen in das Mitgliederbuch des alten, neuen Vereines ein.

Unter der Leitung von Kreisschützenmeister Otto Hemberger aus Buchen wurde der neue Vorstand gewählt:        

 

Oberschützenmeister:  Martin Herold
1.Schützenmeister:       Dieter Egenberger
2.Schützenmeister:       Roland  Gräf

Im alten Vereinsheim des SV Germania konnte alsbald ein Schießraum mit neun Ständen für Luftgewehr und Luftpistole eingerichtet werden. Allerdings erst, nachdem das Gerümpel entsorgt, das Dach abgedichtet, die Spinnweben entfernt und ordentlich  gekehrt und gewischt wurde. 

Grillfeste, Maiwanderungen, Königsfeiern und Schützenbälle sowie  das heute schon zur Tradition gewordene Volksfestschiessen wurden zu den anfänglichen Aktivitäten des jungen Vereines. Die Zeit des Aufbaues, des Ringens um Anerkennung und Akzeptanz bei der Bevölkerung und der Kommune forderten die Mitglieder und die Vorstandschaft.

Die Vereinsgeschicke leiteten als Oberschützenmeister

1976 / 1977      Martin Herold
1978                 Dieter Egenberger
1979                 Otto Striebich
1980 / 1981      Alfred Wolf

Die häufig wechselnde Vereinsführung zeugt von den Anfangsschwierigkeiten, von unruhigen, jedoch dynamischen Aktivitäten im vorständlichen Vereinsgeschehen.

Mögen Streitigkeiten, Ärger und Verdruss, Überforderung oder Krankheit die Ursachen dafür gewesen sein, der Verein entwickelte sich kontinuierlich weiter. Wurde in allen Bereichen als einer der ältesten und größten Schützenvereine der Region den vielfältigen Aufgaben gerecht. Auf sportlichem, gesellschaftlichem und kulturellen Gebiet.

Unter Oberschützenmeister Alfred Wolf tritt der Verein mit dem großen, 4tägigen Schützenfest im Mai 1981 erstmals in einer glänzenden Selbstdarstellung in der Öffentlichkeit auf.

Alljährlicher Höhepunkt im Vereinsjahr ist die Königsfeier. Verbindet doch der Königstitel  die Repräsentanz der Adelsheimer Schützen im Außenverhältnis des Vereins. Nicht nur der Leistungssport, sondern gerade die Pflege des Breitensportes mit seinen vielfältigen Entfaltungsmöglichkeiten bietet Männern, Frauen, Jung und Alt gleichermaßen Ausgleich, Spaß und Entspannung und damit ein breites Angebot für die Bevölkerung der Stadt.

Im Januar 1982 wird Wilfried Lenuweit zum Oberschützenmeister gewählt. Innovationen und Neuerungen prägen seine 10jährige Amtszeit.

Durch die Anschaffung von vereinseigenen und privaten KK – Sportwaffen konnten Adelsheimer Schützen erstmals an Rundenwettkämpfen in den Disziplinen KK-Sportgewehr und KK-Sportpistole teilnehmen. Schon bald wurden ausgezeichnete Ergebnisse erzielt, die umso mehr Beachtung verdienen, da die Adelsheimer über keine entsprechende eigene Schießanlage verfügten.

Die Luftgewehr/ Luftpistolen – Schießanlage wurde mit Hilfe von Spenden von Handkurbelbetrieb auf elektrische Zuganlagen umgestellt.

An Pfingsten 1983 wird das  4tägige Schützenfest zum 160jährigen Vereinsjubiläum gefeiert. Ein weiterer Markstein in der Vereinsgeschichte. Im Vorfeld der Feierlichkeiten, die Baron Joachim von Adelsheim mit seiner Festrede bereicherte, wurde die Geschichte der Schützen in einer Vereins-Chronik niedergeschrieben. Im Zuge seiner Nachforschungen konnte W. Lenuweit die historische Fahne von 1836 wieder auffinden und einer Restauration zuführen. Gleichzeitig wurde eine neue Vereinsfahne entworfen und angeschafft. Das dafür eingesammelte Spendenaufkommen von über 7.000.- DM belegte eindrucksvoll das Interesse und Wohlwollen der Adelsheimer Bevölkerung und den Zusammenhalt unter den Schützen. In einem bewegenden Festakt wurde die alte Fahne letztmalig getragen und die neue Fahne geweiht.

(Zu weiteren Einzelheiten betreffend der Fahnen darf  ich auf meine Ausführungen „ Die Vereins-Fahnen der Schützengesellschaft 1823 e.V. Adelsheim“  verweisen.)

Das Schützenhaus erfuhr die erste umfassende Renovierung 1983/84.  Dabei wurde das gesamte Mobiliar erneuert, die Bildergalerie der Schützenkönige „erfunden“ und die Schießanlage von Handkurbelbetrieb auf elektrische Zuganlagen umgestellt.

1985 erlebte die alte Tradition des Schützengartens eine Wiedergeburt. Buntes Markttreiben im Museumshof rückte die Schützengesellschaft alljährlich ins Licht der Öffentlichkeit.  Die Einführung des Salutschiessens der Adelsheimer Karabinerschützen fand beim Schützengarten, bei Jubiläen und bei überregionalen Schützenfesten große Beachtung und löste regelmäßig überwiegend Begeisterung aus.

Unvergesslich bleiben sicherlich auch die zahlreichen Festumzüge, wenn zum Beispiel das Kreisschützenfest in Adelsheim stattfand.

Ab 1985 erweiterte der OSM das Angebot um die Disziplin  Bogenschießen.  In den folgenden Jahren entwickelte sich diese Abteilung durch unzählige Siege bei Turnieren, Preisschießen und Meisterschaften zum Aushängeschild nicht nur der Schützengesellschaft, sondern auch für die Stadt Adelsheim. Bei Badischen und Baden- Württembergischen Meisterschaften holte allein Christian Lenuweit 11 mal in Folge den Titel nach Adelsheim und wurde damit zu seiner Zeit der erfolgreichste Schütze der Schützengesellschaft.  Mit Peter Sitte, Heiko Brunn, Christine Gerner,  Christian und Götz Lenuweit qualifizierten sich Adelsheimer Schützen erstmals für deutsche Meisterschaften.

Den vorläufigen Höhepunkt schaffte dann Christine Gerner durch den Gewinn der deutschen Vizemeisterschaft.

So entwickelte sich der Verein dynamisch weiter. Mit sportlichen Erfolgen, gesellschaftlicher Präsenz und einem umtriebigen Vereinsleben. Zum Ende der 1980er Jahre erreichte er seinen  höchsten Mitgliederstand mit 167 Mitgliedern.  Es ist die Entwicklung  vom ehemals „ Bürgerlichen Schützencorps  zu Adelsheim „  zu einer Gemeinschaft, die sich durch Leistungs-und Breitensport, aber gleichermaßen auch durch Pflege der Tradition und der Geselligkeit  auszeichnet.

Nach dem Ende der Ära Lenuweit wurde Alfred Wolf 1992 zum Oberschützenmeister gewählt und leitete die Geschicke des Vereines für die kommenden fünf Jahre bis 1997.

Umsichtig legte er durch den Abschluss eines langfristigen Mietvertrages mit dem Eigentümer des Schützenhauses die Grundlage für die Sanierung und den Umbau.  1993/94  wurde in tausenden von Arbeitsstunden ein neues schmuckes Vereinsheim geschaffen. Mit einer professionellen Küchenanlage,  die auch große Veranstaltungen bewältigen kann.

Schon immer hatte die Jugendarbeit einen hohen Stellenwert. Alfred Wolf forcierte den Wunsch der Jugend nach mehr Eigenverantwortung und installierte eine vereinseigene Jugendordnung. Sie wurde eine der Ersten im gesamten Neckar-Odenwald-Kreis.

Im März 1998 wurde Armin Schweizer zum Oberschützenmeister gewählt. Damit vollzog sich auch im Vorstand ein Generationswechsel.

Ruhig angehen lassen konnte es der neue Vorstand nicht. Mussten doch  die Renovierung des Schützenhauses fertiggestellt und die Feierlichkeiten zum 175. Vereinsjubiläum vorbereitet werden.  Dieses denkwürdige Fest war wieder einmal eine würdige Demonstration eines intakten Vereinslebens und  eine Feuertaufe, die Armin Schweizer und sein Team trefflich bestanden haben.

In seiner Festrede hob Roland Rottler hervor: „ Die Schützengesellschaft 1823 e.V. Adelsheim hat das Rüstzeug für das neue Jahrtausend geschmiedet.“

Durch die Schenkung eines Grundstückes von Mitglied Kurt Riecker und  dem Kauf des seither gemieteten Schützenhauses wurde der Verein nach langen Verhandlungen Grund- und Hausbesitzer. Heute dient das Schützenhaus nicht nur als Sportstätte, sondern der Bevölkerung als gerne genutzte Kommunikations – und Feierstätte.

Nach der Königskette, gestiftet 1976 von Otto Striebich, können durch die großzügige Spende von Karlheinz Hochwald nun endlich auch die Jugendlichen mit einer  Prinzenkette inthronisiert werden.

Als erster Verein im Sportschützenkreis begann bei uns im November 2003  das digitale Zeitalter mit unserem Internetauftritt. Die regelmäßige Aktualisierung unserer Homepage und die stetige Verbesserung der Performance liegt in den Händen von Oliver Haupt.

Beim jährlich im Juli stattfindenden Adelsheimer Volksfest zeichnet die Schützengesellschaft mit ihrem 2. Schützenmeister Dietmar Madinsky  verantwortlich für die Personalbesetzung  innerhalb der Marktplatzgruppe.

Einen besonderen Stellenwert nehmen die Weihnachtsfeier und der Vereinsfamilienausflug ein. Es wird darauf geachtet, ein breites, ausgewogenes Programm anzubieten,  das Schiff,-Bahn-und Busfahrten, aber auch Wanderungen und Besichtigungen gleichermaßen beinhaltet.

Im Bereich der Geselligkeit gibt es seit 2006 den Seniorenstammtisch. An jedem ersten Freitag im Monat treffen sich die Senioren zum Essen, zum vergnüglichen Schwatzen und  zum Schießen auf den jährlich zu vergebenden Seniorenpokal.

Auch veranstalten die Senioren neuerdings wieder ein Ostereier – Schießen!  Eine Initiative und eine Spendensammlung der Senioren führte zur Anschaffung von zwei ultramodernen vereinseigenen Luftgewehren.

Aber auch in sportlicher Hinsicht gab es Erfolge zu feiern:  Unsere Jungschützen heimsten viele Siege ein. Holten Kreis – und Landesmeistertitel nach Adelsheim.  Hervorzuheben ist unser Ausnahmetalent  Marisa Gregori. In der Disziplin KK-Sportgewehr wurde sie Deutsche Meisterin, Europameisterschafts-Dritte im Einzelwettbewerb und mit der Mannschaft Europameister 2011! Während einem Wettkampf, - leider ohne Rekordberechtigung – schoss Marisa mit 599 von möglichen 600 Ringen einen (inoffiziellen) Weltrekord.

Eine besondere Ehre erfuhr sie durch die Wahl des Sportkreises zur Sportlerin des Jahres.

Das alles sind die Ergebnisse kontinuierlicher Aufbauarbeit und  unermüdlichen Einsatzes    unseres Jugendleiters  Helmut Hausner. Er erledigt diese Arbeiten ehrenamtlich  seit über 10 Jahren,  wofür ihm ein großer Dank gebührt.

Mit Peter Sitte haben wir einen aktiven Schützen und Funktionär in unseren Reihen, der sich als Abteilungsleiter Bogen, Kreisbogenreferent und Kreisschützenmeister verdient gemacht hat und sich über seine Ernennung zum Ehren –Kreisschützenmeister freuen darf.   Ich persönlich freue mich, daß ich Peter schon 1985 für den Bogensport begeistern und in den Verein holen konnte.

Neben den vielfältigen Ehrungen und Auszeichnungen, die verdiente und langjährige Mitglieder erhalten können, nimmt die Ehrenmitgliedschaft den höchsten Stellenwert ein. Nur Mitglieder, die für den Verein besondere Leistungen, hohe Verdienste oder außergewöhnlichem Einsatz  erbracht haben, können zum Ehrenmitglied ernannt werden.

Die Schützengesellschaft zählt seit ihrer Wiedergründung  7 Ehrenmitglieder:

Otto Striebich,   -  verstorben im Jahre 1996          *          Alfred Wolf,
Gerhard Danz,    -  verstorben im Jahre 2013       *        Roland Rottler,
Kurt Riecker,      -  verstorben im Jahre 2009           *          Klaus Lauer
und seit heute   Karlheinz Hochwald.

Mit Umsicht und ruhiger Hand führt Oberschützenmeister Armin Schweizer den Verein in das fünfte Jahrzehnt nach der Wiedergründung, in Richtung 200jähriges  Vereinsjubiläum, welches wir, so Gott will, im Jahre 2023 feiern dürfen.

Ihm zur Hand gehen neben den bereits genannten Vorstandsmitgliedern ganz maßgeblich unser    1. Schützenmeister Wolfgang Groß, der unermüdlich die schießsportlichen Belange des Vereines erledigt. Und das ist wichtig. Wichtig sind ehrenamtliche Helfer, denn die Herausforderungen der Zukunft werden nicht geringer.

Die Geschichte, unsere Vereinsgeschichte fordert uns geradezu auf,  zum Erhalt, zur aktiven Belebung der Schützengesellschaft beizutragen. Fordert uns auf, dem verbreiteten Trend zu Zusammenschlüssen mit anderen Vereinen, dem Trend zum Aufgeben entgegenzuwirken. 

Wir müssen uns bemühen, aktiv und attraktiv zu sein, um unserer Schützengesellschaft Erhalt und Zukunft zu geben!

Dazu wünsche ich dem Verein für die nächsten 40 Jahre

- stets kluge Köpfe

- fleißige Hände

- Gottes Segen

und allzeit Gut Schuss!

*  In diesem Bericht  wurde auf Auszüge und Zitate zurückgegriffen aus
- Chronik der SG Adelsheim zum 160jährigen Jubiläum  1983,  von Wilfried Lenuweit
- Festrede zum 175jährigen Jubiläum der SG Adelsheim 1998, von Roland Rottler
- Rückblick auf 30 Jahre Wiedergründung  der SG Adelsheim 2006, von Armin Schweizer

Wilfried  Lenuweit  .  Vereins-Archivar                                                                                        Adelsheim, 3. 9. 2016